Berichte

KWS ein Vorreiter bei innovativen Wohnformen fürs Alter

25.10.2012

Zum Erfahrungsaustausch mit anderen Ausstellern in der Rodinger Stadthalle hat das Katholische Wohnungsbau- und Siedlungswerk der Diözese Regensburg (KWS) die vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen veranstalteten Aktionstage unter dem Titel „Zu Hause daheim“ genutzt. Dies war das Beste in einer verkorksten Situation, die auch mit Unterstützung der Lokalpresse nicht mehr zu retten war.

Das Ministerium hatte anhand gelungener Beispiele Senioren und deren Angehörigen alternative Wohnformen vorstellen wollen. Allerdings hatte es vergessen, bei der Zielgruppe die Werbetrommel zu rühren. Das erwünschte Publikum blieb aus bis auf einzelne meist beruflich Interessierte.

Das KWS konnte gleich mit zwei konkreten, bereits verwirklichten Maßnahmen aufwarten, während andere mit ihren Konzepten noch in der Theorie verharren. Seit 2007 ist in Regensburg-Burgweinting das 1. Oberpfälzer MehrGenerationenWohnen bezogen; der Verein für generationenübergreifendes Wohnen ist hier unser Partner. Anders beim Betreuten Wohnen, das wir erstmals Ende der 1990er-Jahre in Schwandorf anboten und inzwischen an fünf weiteren Standorten im Bistum Regensburg stets in direkter Nähe zu Caritas-Alten- und Pflegeheimen umgesetzt haben – zuletzt in diesem Jahr in Erbendorf und im Vorjahr in Roding.

Logisch, dass der Diözesan-Caritasverband als Betreiber des Rodinger „Eustachius-Kugler-Hauses“ (Seniorenheim) und unmittelbarer Nachbar bei der neuen Anlage für Betreutes Wohnen auch unser Standnachbar war auf der Messe des Sozialministeriums in der „Ostmark-Halle“. Ein offizieller Rundgang zur Eröffnung blieb leider aus. Dafür gab es würdevolle Ansprachen vor leeren Rängen.


Ambulant vor stationär

Ministerialdirigent Franz Wölfel berichtete aus der Demographieforschung, dass alte Menschen rund 80 % des Tages in der Wohnung verbringen! Dreiviertel der Bayern möchten nicht ins Seniorenheim, sondern mit Unterstützung vertrauter Menschen im gewohnten Umfeld die altersbedingten Einschränkungen meistern. Aus dem Anspruch „ambulant vor stationär“ ergibt sich der Auftrag an Politik und Behörden, innovative Wohnformen zu fördern, die „ein Leben wie zu Hause“ ermöglichen. Die Angehörigen sind bislang der größte Pflegedienst der Nation. Bei der Vielzahl von Single-Haushalten wird sich dies aber nicht aufrechterhalten lassen. Gefragt sind künftig zunehmend Nachbarschaftsinitiativen.

Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier bedauerte, dass sich die Hälfte der Bevölkerung zu spät mit dem Thema „Wohnen im Alter“ beschäftigt. Er meinte, 100.000 € für eine Kampagne, um die Menschen zu sensibilisieren, sind gut investiert.

Bezirkstagspräsident und Landrat Franz Löffler rief dazu auf, die Wohnungen seniorengerecht zu sanieren und den Jungen Arbeitszeitmodelle zu konzipieren, die den Beruf und die Pflege in der Familie miteinander vereinbaren lassen.


Menschliche Zuwendung

Bürgermeister Franz Reichold äußerte sich ebenfalls dahingehend, von der technischen Seite her die besten Voraussetzungen zu schaffen. – Aber: In Erinnerung an den Umgang mit der eigenen Oma bat er vor allem darum, die menschliche Zuwendung nicht zeitlich zu takten. Seine Großmutter hatte weniger haben wollen, dass er im Haushalt herumwuselt, als dass er sich nur zu ihr setzt, sich mit ihr unterhält.

Womöglich hat auch jemand ausführlich mit den Kampagnenverantwortlichen im Sozialministerium gesprochen und verdeutlicht: „Stell‘ Dir vor, wir vereinen lauter Profis rund ums Wohnen im Alter, aber keiner profitiert von ihrem Wissen.“ Das Ministerium hat die Kampagne ausgesetzt und überlegt, warum so schlechte Resonanz herrschte.